Nidleloch

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Nidleloch 2017-05-19T01:29:16+00:00


Das Nidlenloch im Weissenstein (SO), dem Hausberg der Stadt Solothurn, ist bereits 1828 erst­mals in der Literatur erwähnt wor­den, der loka­len Bevölkerung ver­mut­lich aber schon weit frü­her bekannt gewe­sen. Der Naturforscher und Alpinist Franz Josef Hugi erreich­te im erwähn­ten Jahr eine Distanz von 350 m vom Eingang.

1868 erstell­te der Ingenieur Moser einen Grund- und Seitenriss der seit Hugi bekann­ten Höhlenteile im Masstab 1:1’000. In den Jahren 1889 bis 1891 erfolg­te eine Reihe von Expeditionen unter der Leitung von Forster und Rotschi, die mit Hilfe von Strickleitern meh­re­re klei­ne Schächte über­wan­den.

Unter der Führung von Franz Held wur­de bis 1909 in über sech­zig Vorstössen wei­ter­ge­forscht. Dabei konn­te eine Tiefe von 396 m unter dem Eingang erreicht wer­den, was die welt­weit tiefs­te Höhle bedeu­te­te, die zu die­ser Zeit bekannt war.

1937 und 1938 wur­de die Höhle ver­mes­sen. Der Plan von F. Kormann und W. Kulli umfass­te 2.1 km. Wohl wur­de das Nidlenloch in den fol­gen­den Jahren oft besucht, Forschungen setz­ten aber erst wie­der 1975 durch die Arbeitsgemeinschaft Nidlenlochforschung (AGN) ein. In zehn erfolg­rei­chen Jahren konn­te die­se Gruppe durch sys­te­ma­ti­sches Absuchen und eini­ge Grabeinsätze die Höhle auf 7,5 km ver­län­gern und die Höhendifferenz auf 418 m stei­gern.

Das Nidlenloch ist in den nach Norden abfal­len­den Schichten der «Sequan»-Kalke (Malm) im Nordschenkel der Weissenstein-Antiklinale ange­legt, die Gänge fal­len ent­spre­chend dem Schichtverlauf nach Norden ab (beson­ders schön sicht­bar im Eingangsteil) oder fol­gen dem west-östlichen Streichen der Schichten. Namentlich im mitt­le­ren Teil der Höhle hat sich ein teil­wei­se laby­rin­thi­sches Horizontalsystem ent­wi­ckelt, aber auch in ande­ren Partien des Nidlenlochs gibt es Ansätze von fos­si­len, phrea­ti­schen Gangnetzen. Es fin­den sich nur lokal oder tem­po­rär klei­ne Rinnsale, die bekann­te Höhle hat mit der heu­ti­gen Karstentwässerung nur am Rande etwas zu tun. Die gene­rell klei­nen bis mit­tel­gros­sen Gänge sind, ent­spre­chend dem ver­mut­lich hohen Alter des Nidlenlochs, recht oft von Verstürzen und lokal von ver­lehm­ten Senken geprägt. Trotz der gros­sen Höhendifferenz sind Schächte nicht all­zu häu­fig und maxi­mal zwan­zig Meter tief, grös­se­re Hallen feh­len eben­so, und auch Tropfsteinschmuck ist sel­ten.

Die leich­te Zugänglichkeit, die beschei­de­nen tech­ni­schen Schwierigkeiten - im obe­ren Höhlenteil sind eini­ge Schächte per­ma­nent mit Drahtseilleitern ein­ge­rich­tet - sowie die Atmosphäre einer gros­sen und tie­fen Höhle machen das Nidlenloch zu einer der meist­be­such­ten Nicht-Schauhöhlen der Schweiz. Jährlich wird das Loch von etwa 5’000 Abenteuerlustigen began­gen, was eini­ge nega­ti­ve Begleiterscheinungen wie Belastung oder gar Überbelastung der natür­li­chen Umwelt, Abfälle und bei­na­he all­jähr­lich Rettungseinsätze mit sich bringt. Diese Besucherströme zei­gen aber auch einen posi­ti­ven Aspekt, indem durch die­se Konzentration auf eine Höhle ande­re, weni­ger beach­te­te Höhlen um so bes­ser geschützt wer­den kön­nen.

Quelle: (www.nidlenloch.ch) »> “Karst und Höhlen der Schweiz”, Christian Preiswerk und Andres Wildberger, Basel 1997. Speleoprojects ISBN 3-908495-05-9 (Hardbound) bzw. ISBN 3-908495-06-7 (Paperback)